von Sebastian Berndt, 24. September 2020

Die Taufe ist die Grundlage des ganzen christlichen Lebens (Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1213). Sie ist das Bad der Wiedergeburt (Tit 2,5), der Beginn des ewigen Lebens (1 Joh 5,11), Neuschöpfung in Christus (2 Kor 5,17). In der Taufe stirbt unser alter Mensch (Röm 6,6) und wird Christus angezogen (Gal 3,27): Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir (Gal 2,20), so dass wir mit Ihm leben werden (Röm 6,8). Durch die Taufe kommen wir durch Christus im Heiligen Geist zum Vater und erhalten so Anteil am inneren Leben der Dreifaltigkeit – Seiner Liebe. Wer vom Bade kommt, ist ganz rein. . . (Joh 13,10). Ihn belastet keine persönliche Schuld, keine Erbsünde, keine Sündenstrafen, er ist ganz heilig. So sollen wir durch die Taufe heilig sein, wie Er heilig ist (1 Petr 1,16) und Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Denken (Mt 22,37 par; Dtn 6,5; 30,6). Aus dieser Gottesliebe geht, wenn sie wahr ist, unfehlbar hervor (1 Joh 3,16f), den Nächsten zu lieben, wie uns selbst (Mt 22,39 par; Lev 19,18).

Doch tragen wir diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen (2 Kor 4,7). In beiderlei Liebe bleiben wir immer wieder hinter dem Anspruch und Vorbild Christi zurück: Wer vom Bade kommt, […] muss sich noch die Füße waschen (Joh 13,10). Es bleibt auch trot der erlösenden und heilenden Wirkung der Taufe, trotz der Gemeinschaft mit Gott eine ungeordnete Begierde, eine bleibende Neigung zum Bösen. Zwar ist, wer mit Christus begraben ist, tot für die Sünde (Röm 6,3f.). Denn in der Firmung durch den Heiligen Geist gestärkt (Eph 3,16) und mit Christus innig durch die Heilige Kommunion verbunden (Phil 3,9) kann jeder Versuchung wiederstanden werden. Aber die „Abkürzung“ ist immer wieder zu verlockend: Das gleiche Gut mit weniger Anstrengung, wer will das nicht?! So muss der Getaufte den schwierigsten aller Kämpfe kämpfen (1 Tim 1,18; 6,12; 2 Tim 4,7): gegen sich selbst und die Versuchung. Darum hat uns der Herr vor allem die Beichte als Feldlazarett (Papst Franziskus) hinterlassen.

Im Tod soll vollendet werden, was in der Taufe begonnen wird (Begräbnisliturgie). Dort wird nichts mehr so neu, wie der Mensch in der Taufe neu geworden ist. Die eigentliche Grenze im Leben des Christen ist nicht der Tod, sondern die Taufe. Nach dem Tod gibt es noch die Möglichkeit der Reinigung, ja, aber es muss etwas da sein, das gereinigt werden kann: es muss das Leben des dreifaltigen Gottes in uns sein, damit überhaupt etwas da ist, das gerettet werden kann. Wer nur in diesem Leben seine Hoffnung auf Gott setzt, ist ärmer dran als alle anderen Menschen (1 Kor 15,19).


Nachfolgend noch 2 Videos zum Thema Taufe von Pater Hans Buob:
„Das Geheimnis der Taufe, Christus anziehen“
(c) 2020 Kirche in Not:

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